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Archive für Februar 2008
Poker Nations Cup 2008
18.2.2008 von Michael Keiner.
Kaum ein TV-Format löst in der Pokergemeinde bereits im Vorfeld so viele Diskussionen aus wie der Nations Cup, der 2008 zum dritten Mal in Folge ausgetragen wird. Termin ist der 6. bis 10. April, Ort des Geschehens ist das Produktionsstudio von Presentable Ltd. in Cardiff.Das Format ist mit einem single table Sit`n Go zu vergleichen. Jeweils 6 Spieler aus 6 eingeladenen Nationen spielen in 6 Vorrundenheats um Punkte für das Finale. Wie bei der Premier Leaque gibt es für die Reihenfolge des Ausscheidens unterschiedliche Punkte. Die Punkte werden dann in Chips umgewandelt und so starten die einzelnen Nationen mit zum Teil beträchtlich unterschiedlichen Stacks in der Endrunde. Von jeder Nation sitzt immer nur ein Spieler am Finaltisch, aber während des Turnierverlaufs können und müssen einzelne Spieler ausgewechselt werden. Welche Nationen eingeladen werden, entscheidet die Produktionsfirma zusammen mit dem Sponsor des Events, PartyPoker. In diesem Jahr werden Holland, Großbritannien, Irland, USA, Schweden und Deutschland antreten. Klar, dass jedes Land versuchen wird, eine möglichst starke Truppe nach Cardiff zu schicken, denn dort spielt man schließlich nicht (nur) fürs Geld, sondern man repräsentiert auch sein Land.
Zum dritten Mal in Folge bin ich auch wieder als Captain des deutschen Teams nominiert worden und als ich vor ein paar Tagen in einem Interview die Zusammensetzung des deutschen Teams bekannt gab, kamen natürlich gleich wieder die berechtigten Fragen auf, warum nicht dieser oder jener Spieler nominiert sei, hauptsächlich aber die Frage, warum Katja Thater nicht im Team vertreten ist.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich hatte Katja unmittelbar nach meiner Nominierung ins Team eingeladen. Sie hatte sich auch riesig auf den Event gefreut, da der erste Poker Nations Cup 2006 einen Meilenstein in ihrer Erfolgskarriere darstellte. Aber Pokerstars verbot ihr die Teilnahme, da der Event von PartyPoker gesponsert ist und kein Spieler mit einem Werbelogo am TV-Tisch sitzen darf. Diese Regel gilt natürlich für alle Spieler, gleich welcher Firmenzugehörigkeit oder Nationalität. Das Verbot erscheint mir, gelinde gesagt, etwas unverständlich und wahrscheinlich sind nicht nur Katja und ich, sondern auch eine ganze Menge Pokerfans in Deutschland traurig über diese Entscheidung.
Wer von den vier Teammitgliedern für Katja nachgerückt ist, wird von mir aus verständlichen Gründen nicht veröffentlicht, aber es ist mir eine Ehre, Euch die deutsche Mannschaft in alphabetischer Reihenfolge vorzustellen:
Thomas BihlDer WSOPE-Bracelet Gewinner 2007 würde sich wahrscheinlich selbst am Ehesten als Sit`n Go Spezialisten bezeichnen. Neben den 40.000 bis 50.000 single tables, die er online gespielt hat, ist er seit Jahren regelmäßiger Stammgast bei den unterschiedlichsten hochkarätigen internationalen Liveturnieren und weist dort konstante Erfolge auf.
Benjamin KangDer „Chef“ von Hochgepokert.tv und Poker Today ist wohl das ideale Bindeglied zwischen einer eher konservativ geprägten Spielstrategie der alten Garde an Liveturnierveteranen und den so genannten „jungen Wilden“. Ben kann blitzschnell zwischen beiden Welten hin und her wandern. Seine eindrucksvolle Performance sowohl während der „German Open“ als auch bei den „German Stars of Poker“ im November 2007 beweisen seine Qualifikation für das Format.
Andreas KrauseEs wird wohl niemand geben, der die Aufstellung von dem Sieger der letztjährigen europäischen Rangliste in Frage stellen kann. Andreas besitzt eine langjährige Liveerfahrung und saß bereits im Jahr 2000 an einem Finaltisch bei der WSOP, als in Deutschland noch die meisten Leute dachten, Texas Hold’em sei eine Immobiliengesellschaft in Amerika. Was ich an ihm ungeheuer bewundere, ist sein gnadenloser Kampfgeist und Siegeswille.
Sebastian RuthenbergDer EPT Dritte von Dortmund 2007 und WSOOP Runner Up ist in seiner Kompetenz ebenfalls unumstritten. Ein von der Struktur her sehr ähnliches Format, die „German Open 2006“, konnte er bereits gewinnen. Sebastian analysiert Spielsituationen in einer phänomenalen Geschwindigkeit und besitzt einen ausgeprägten „Killerinstinkt“.
Mit Sicherheit gäbe es in Deutschland noch 5 bis 10 weitere Kandidaten, die aufgrund ihrer pokertechnischen Skills, Erfahrungen und Erfolge jederzeit zu Recht einen Platz im Team beanspruchen könnten, aber es sind (leider) nur vier Plätze vorhanden, die auch besetzt werden können. Mit allen nominierten Spielern habe ich schon in der Vergangenheit zusammen in Teamwettbewerben antreten dürfen und alle verbindet eine unerlässliche Eigenschaft: Obwohl Poker eher ein höchst individuelles Spiel ist, sind sie jederzeit dazu in der Lage und auch bereit, ihre persönlichen Ambitionen zurückzustellen und teamstrategischen Entscheidungen unterzuordnen.
Wie hat es Sebastian so schön in seiner letzten Email an mich formuliert? „Hurra Deutschland!“
Euer Michael von free-888.com
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Ruhige Tage in Innsbruck
8.2.2008 von Michael Keiner.
Kaiserwetter in Innsbruck! Nach den etwas stressigen Tagen während der EPT in Dortmund hatte ich mich hierher zurückgezogen, nicht zuletzt auch, um meine guten Vorsätze für 2008 weiterhin in die Tat umzusetzen und den sportlichen Aktivitäten in Form des alpinen Skilaufs mehr Priorität einzuräumen. Quasi als Alibi für meinen Ausflug diente auch die kleine Turnierserie, die hier im Casino abgehalten wird. Das Casino Austria Innsbruck ist direkt im Stadtzentrum in das Hilton-Hotel integriert und die verschiedenen Skigebiete erreicht man bequem innerhalb von 20 bis 30 Autominuten. Der Zeitplan sah den Start der einzelnen Turniere jeweils für 16 Uhr vor, so dass grundsätzlich genügend Raum für meine Pistenausflüge blieb. Innsbruck war zum ersten Mal Austragungsort einer Turnierserie mit etwas höheren Buy-ins und natürlich war ich auf diesen neuen Ort in meinen Reisekalender sehr gespannt. Um es gleich vorweg zu nehmen: Meine hohe Erwartungshaltung an die Organisation wurde zu keinem Zeitpunkt enttäuscht. Die Spieler werden hier nicht wie Kunden, sondern wie gute Freunde empfangen und zusammen mit den bestens bewährten Managementstrukturen der in Pokerveranstaltungen reichlich erfahrenen Casinos Austria Gruppe wurde seitens des Hauses alles dafür getan, eine perfekte Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Leider fanden nur sehr wenige Pokerspieler den Weg hierher, so dass die einzelnen Turniere vor Beginn des Mainevents mit Teilnehmerzahlen zwischen 20 und 40 nur sehr dünn besucht waren. Offensichtlich muss sich der perfekte Service hier erst noch in der Pokergemeinde herumsprechen. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass im dringend erwünschten Wiederholungsfall eine ganze Menge mehr Leute beim nächsten Mal dabei sein werden. Die abendlichen Cashgame Partien brachten dann immerhin fast durchgehend drei bis vier Tische zusammen, wobei ich mich ausschließlich auf die Potlimit Omaha-Partie mit Blinds von €5/€10 konzentrierte.
Häufig werde ich gefragt, warum ich solche, relativ kleine Events überhaupt besuche. Die Antwort ist ganz einfach: Jenseits des ganzen Medienrummels sind dies ideale Orte, um ziemlich stressfrei und unbeschwert meinem Job als Pokerspieler nachzugehen. Es ist die optimale Gelegenheit, verbrauchte Batterien wieder aufzuladen und erinnert mich allzu deutlich an die „good old times“, als ich als völlig unbekannter Pokerspieler von einem Ort zum nächsten gezogen bin, immer auf der Suche nach einer lukrativen Partie.
Zum Abschluss noch ein paar Nachgedanken zum EPT Turnier in Dortmund. Meine diversen Statements hatte ich ja schon in den verschiedensten Interviews unter anderem auch in der Video-Lounge von IntelliPoker zum Besten gegeben, darum will ich sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiederholen. Allerdings bereitet mir eine Tendenz in der Öffentlichkeit etwas Bauchschmerzen: Die Kritik an vielen Punkten im Organisationsablauf ist eindeutig gerechtfertigt, das Anmeldeverfahren war viel zu bürokratisch, das Preis-Leistungsverhältnis des Verpflegungspackages stimmte hinten und vorne nicht und einzelne Dealer hatten einen wirklich schlechten Ausbildungsstand. Aber pauschal die ganze Veranstaltung derart durch den Kakao zu ziehen, wie es in einzelnen Kommentaren zu lesen war, halte ich auch für falsch und maßlos übertrieben. Die überwiegende Mehrheit der Dealer hatte einen extrem anstrengenden Job zu bewältigen und löste die Aufgabe mit Bravour, freundlich und kompetent. Pauschal alles ins negative Licht zu rücken, wirkt nicht gerade motivationsfördernd für zukünftige Turniere auf diejenigen Leute, die hier „ihr Bestes“ gaben. Konstruktive Kritik ist wichtig und hilft meistens, Dinge in der Zukunft zu verbessern. Pauschale Verunglimpfungen führen jedoch oft zu einer „totalen Verweigerungshaltung“ beim jeweiligen Empfänger und wenn Deutschland nächstes Jahr keinen Großevent wie die EPT aufzuweisen hätte, wäre dies sicher ein gewaltiger Verlust für die gesamte Pokergemeinde.
Euer Michael von free-888.com
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