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WSOP 2007 Teil 2 Das Chaos nimmt seinen Lauf!
Eigentlich sollten wir der Mittelpunkt aller Anstrengungen des geneigten Organisators sein. Ohne uns Pokerspieler gäbe es die World Series nicht und ohne uns könnte die Harrahs Gruppe all seine Rechte, Merchandisingprodukte und vor allem die Teilnehmergebühren schlichtweg in der Pfeife rauchen. Eigentlich sollten so zahlungskräftige Kunden wie wir vom Dienstleister umhegt und gepflegt werden.
Aber was sich hier abspielt, ist unglaublich! Harrahs wahrt nicht einmal den Anschein einer Fassade, dass wir in dieser Show irgendeine Rolle spielen könnten. Da der Amazon Raum zu klein ist, um alle eingeplanten Pokertische aufnehmen zu können, wurde kurzerhand auf dem Hinterhof, wo letztes Jahr die „Pokerkitchen“ stand, ein Zelt aufgebaut und mit 63 Tischen voll gestopft. Dass in den unmittelbar an den Amazon Raum grenzenden Konferenzräumen beliebig viel Platz vorhanden ist, um die Tische unterzubringen, wird einfach „übersehen“. Schließlich könnte ja morgen noch eine Hochzeitsgesellschaft aufkreuzen, die einen dieser Räume buchen will. Und auf die zusätzlichen Einnahmen will man keinesfalls verzichten, schließlich nagt Harrahs ja mit den kümmerlichen 80 bis 100 Millionen Einnahmen aus der WSOP geradezu am Hungertuch. Also werden wir Pokerspieler, das Pack, ins Zelt entsorgt. Gestern kam dann ein kräftiger Wind auf und das Zelt löste sich relativ schnell in seine Bestandteile auf, wobei auch ein Wandteil herausflog und die Decke auf uns herunterzustürzen drohte. Nachdem das Trauerspiel über 90 Minuten so weiterging und die mehr als 500 Turnierteilnehmer durch immer lauter werdende Buhrufe ihr Missfallen zum Ausdruck brachten, wurde das Zelt endlich evakuiert und wir wurden erstmal in eine Pause geschickt. Das Turnier wurde dann nach weiteren 1 ½ Stunden fortgesetzt und die Tische waren kreuz und quer im gesamten Amazon Raum verstreut. Natürlich gab es zunächst auch keine Uhr, die wenigstens die verbliebene Zeit im Level anzeigt. Stattdessen lief ein Mädchen kreuz und quer durch den riesigen Raum, die eine Eieruhr um den Hals hängen hatte. Wenn sie mal in der Nähe eines Tisches auftauchte, konnte man sie nach der verbleibenden Zeit im Level fragen. Aber das ist ja alles auch nicht so wichtig, es geht ja nur um einen Preispool von einer Million US$ in dem Kleckerturnier.
Die Rede ist vom $ 1.500 Omaha Hi/Lo Turnier, bei dem ich zusammen mit etwa 630 anderen Teilnehmern mein Glück versuchte. Ich erwischte bei der Auslosung der Sitzplätze einen guten Tisch, 6 meiner Mitspieler waren sehr passiv und verstanden wohl auch noch nicht so ganz die Basisstrategien von Hi/Lo Varianten. Ich konnte mich relativ schnell aufdoppeln und war im Verlauf des Turniers eigentlich niemals in echter Bedrängnis. Wir starteten mit 3.000 Chips und Tag 1 habe ich überstanden. Es sind noch etwa 150 Leute im Turnier, ich besitze 21.600 an Chips, während der Durchschnitt bei ungefähr 12,000 liegt. Wie es weiter geht, sehen wir in etwa einer Stunde, dann sitze ich wieder im Zentrum des Chaos.
An dieser Stelle möchte ich auch nicht versäumen, Andreas Krause zu seinem fantastischen sechsten Platz im $ 1.500 Nolimit Hold’em Turnier herzlich zu gratulieren. Andreas ist seit Jahresbeginn in Topform, wenn er am Tisch sitzt, sprüht er förmlich vor Energie und seine Konzentration und sein Siegeswille sind fast schon überirdisch. Weiter so, Andy!
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