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WSOP 2007 Teil 9 Boulevard of Broken Dreams!
Das wars!!! Vor gut 45 Minuten hat die diesjährige WSOP für mich ein allzu überhastetes und unrühmliches Ende genommen. Ich fliege jedes Jahr aus Dutzenden von Turnieren heraus, was an sich völlig normal ist und in der Natur der Sache liegt. Aber nichts, wirklich gar nichts schmerzt so heftig wie das Ende im „Big One“. Während ich in meinem Zimmer im Wynns sitze und die frischen Wunden lecke, versuche ich zu rekapitulieren, was gerade eben passiert ist. Ich bin ein großer Fan der Matrix Trilogie und kann das Ganze eigentlich nur unter dem Oberbegriff „Reality Dysfunction“ zusammenfassen. Bilder aus Barcelona, die keine 6 Wochen alt sind, kommen spontan aus der Versenkung zurück und überfluten mein Gehirn. Wie oft hintereinander reicht es in den entscheidenden Schlüsselsituationen nicht aus, seine Chips als Favorit mit 92 Prozent Gewinnchance in die Mitte zu stellen? In Barcelona, während der 888 Heads Up Weltmeisterschaften hatte ich es im Achtelfinale getan und war gescheitert. Bei einem Flop von :9s :6c :2d hatte ich das All-in meines Gegners mit Pocket :As :Ad gecallt. Er drehte :7c :7s um. Turn :Jx, River, was sonst, :7x und ich war raus. Das sollte im Grunde genommen in der entscheidenden Situation für dieses Jahr reichen, aber ich hatte wohl die Rechnung ohne den Programmierer der Matrix gemacht.
Und dabei fing der heutige Main Event im RIO so gut an! Ich hatte mich dieses Jahr sehr gut vorbereitet, war völlig ausgeschlafen, hochkonzentriert und voller Energie vor nicht einmal 11 Stunden an den Start gegangen und spielte wirklich mein A-Game. Bis zur Dinnerpause konnte ich mein Stack ohne Risiken von 20.000 auf 35.000 Chips aufbauen und hatte den Tisch spätestens zu dem Zeitpunkt voll im Griff, als Jennifer Harman short-staked mit einem Flushdraw all-in ging und ausscheiden musste. Sie wurde schnell durch einen amerikanischen Onlinespieler ersetzt, der bereits gut 45.000 Chips besaß. Er spielte das typische loose-aggressive Spiel der Skandinavier, hing sich fast in jeden geraisten Pot rein und reraiste preflop deutlich häufiger, als selbst mit einer außergewöhnlich guten Serie an Monsterhänden erklärbar gewesen wäre. Nach einer Stunde war mir völlig klar, dass er seine Karten maßlos überspielte. Insgesamt sahen seine Aktionen zwar spektakulär aus, waren aber völlig uneffektiv. Er gewann 5 kleine Pots, nur um dann einen Großen zu verlieren und trat mehr oder weniger vom Chipcount her auf der Stelle. Meine Chance sah ich kommen, als ich in früher Position (UTG+1) :Qh :Qc fand. Ich raiste bei 400/200 Blinds und 50 Ante auf 1.300 und war nicht sonderlich überrascht, als er mich im Big Blind auf 3.600 reraiste. Ich hatte mittlerweile 37.000 an Chips und callte nur. Sollte im Flop ein :Ax oder ein :Kx erscheinen, war ich aufgrund meines komfortablen Polsters ohne Schwierigkeiten in der Lage, die Hand aufzugeben, falls er echte Stärke zeigen würde. Der Flop brachte :3c :6c :3s und er spielte 10.000, also ungefähr den 1,3 fachen Pot an. Ich war mir völlig sicher, dass ich an dieser Stelle die beste Hand hielt. Mit :Ax :Ax oder :Kx :Kx hätte er weniger gesetzt und mit einem gefloppten Set hätte er ein Slowplay probiert. Ich wollte an diesem Punkt keine weiteren Risiken eingehen und raiste mit 33.400 all-in. Die 23.400 mehr an Chips zu callen, sollte ihm eigentlich richtig wehtun, ihm wären nur noch 8.000 geblieben. Aber wie kann man jemand, der seine Hände beständig überspielt, davon überzeugen, dass er geschlagen ist? Grundsätzlich gar nicht und daher werden diese Leute auch meistens schnelle Opfer der Entropie.
Nach 5 Minuten intensiven Überlegens callt er schließlich mein All-in und dreht :Tc :Td um. Zugegebenermaßen wird er etwas bleich im Gesicht, als er mein Damenpaar sieht. Wie die Story ausgeht, könnt ihr vermutlich ahnen… Turn :9s, River :Ts. Er lässt noch einen Kampfschrei raus, als er die geriverte 10 erblickt, die Dealerin muckt mit Lichtgeschwindigkeit meine Damen und ich schleiche mich wie ein begossener Pudel aus dem Amazon Raum. Ach ja, um meine anfangs gestellte Frage zu beantworten: Die Chance, dass man zweimal hintereinander mit dieser Konstellation verliert, beträgt exakt 0,64 Prozent.
Eigentlich zieht es mich jetzt massiv nach unten ins Casino, um $ 25/50 Potlimit Omaha Cashgame zu spielen. Aber ich werde es nicht tun! Ich weiß genau, dass ich in meiner jetzigen Verfassung erbärmlich schlechtes Poker spielen würde, so sauer, wie ich bin.
Euer Michael von free-888.com
2 Antworten auf “WSOP 2007 Teil 9 Boulevard of Broken Dreams!”
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8.7.2007 bei 11:49
Solche blöden Lucker kennt wohl jeder. Und das schlimmste ist, wenn die dann noch stolz auf ihr Glück sind und es mit Sätzen untermauern, wie “wer nicht wagt, der nicht gewinnt!” oder “ich wusste es!”.
Kopf hoch, Michael! -Du bis Weltmeister und hast tapfer gekämpft. Hast dein wohl verdientes Bracelet und Deutschland wirklich gut vertreten!
12.7.2007 bei 11:41
Ich denke das Problem ist die hohe Pupularität und damit die hohe Anzahl an Fernsehübertragungen. Grundsätzlich finde ich das gut, um das Spiel populärer zu machen, und damit mehr Pokerräume/Casinos entstehen zu lassen.
Aber ich sehe das Problem an den Übertragungen, dass zu selten mitgeteilt wird, dass dies nur radikale Zusammenschnitte des echten Tourniers sind. Natürlich wirkt das ganze Spiel so wesentlich spektakulärer und riskanter. Und das wird dann halt leider nachgeahmt.
Hat man einen derartigen (eigentlich Schlechten) Spieler im Tournier, ist die chance eher gering, dass dieser Erfolg hat. Aber da es inzwischen schon sehr viele davon gibt, muss statistisch gesehen zwangsläufig leider einer immer wieder mal weit kommen.